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Geschichtslektion8 Min. Lesezeit

Geschichtslektion: Was ist eine WordStar-Datei? Alte .ws-Dateien öffnet Word nicht

Alte MicroPro-Manuskripte. Kein Windows-Skript, nicht WordStar 2000 – und Word öffnet sie nicht.

·Vom Legacy File Converter-Team
Eine alte Tastatur, deren E-S-D-X-Rautentasten türkis leuchten, ein Manuskript, dessen letzte Buchstaben wie Akzentzeichen aussehen, eine 5,25-Zoll-Diskette und ein verblasstes Fenster, das die Datei nicht öffnen kann, ohne Logos

TL;DR

Eine WordStar-Datei ist ein altes Dokument von MicroPro International aus der frühen PC-Ära – CP/M (Control Program for Microcomputers) und später MS-DOS. Eine alte .ws ist kein Windows-Skript. Vor Version 5.0 lassen Umbruch-Flags im hohen Bit bei Wörtern innerhalb der Ränder den Text in einem modernen Editor verstümmelt aussehen. WordStar 2000 ist ein anderes, inkompatibles Format. Das aktuelle Microsoft Word öffnet sie nicht.

Was ist eine WordStar-Datei?

Eine WordStar-Datei ist ein altes Dokument aus dem Textverarbeitungsprogramm von MicroPro International, erstmals gezeigt auf der West Coast Computer Faire im April 1979 und im Juni desselben Jahres verkauft, auf CP/M von Digital Research. Seymour Rubinstein hatte IMSAI verlassen (er war dort Marketingdirektor gewesen) und 1978 MicroPro gegründet; er stellte John Robbins (Rob) Barnaby ein, um das Programm zu schreiben. Die Formatbeschreibung der Library of Congress zählt WordStar bis heute zu den einflussreichsten frühen Textverarbeitungsformaten für Mikrocomputer.

WordStar band Sie nicht an .ws. Das WordStar-Referenzhandbuch von 1983 (S. 1-12) riet, einen Namen zu wählen, den man sich merken kann. Ein optionaler Punkt und eine Endung aus ein bis drei Zeichen konnten den Typ beschreiben – .LET für einen Brief (letter), .REP für einen Bericht (report), sogar .912 für den letzten Bearbeitungstag. Die einzige zu meidende Endung war .BAK, weil WordStar dort Sicherungskopien ablegte. Die eigenen Bestände der Library of Congress verwenden .ws, .wsd, .ws5, .ws6 und .ws7. WordStar für Windows bevorzugte später .wsd. Auch eine alte Datei ganz ohne Endung kann eine WordStar-Datei sein.

Warum eine alte .ws kein Windows-Skript ist (und Word sie nicht öffnet)

FileInfo und ähnliche Kataloge behandeln .ws als Windows-Skript. Microsofts Windows Script Host verwendet häufiger .wsf. Eine alte WordStar-.ws ist ein Manuskript, kein Skript – doppelklicken Sie nicht in der Erwartung, dass Word sie öffnet, und halten Sie sie nicht für Schadsoftware, nur weil Kataloge vor Skripten warnen.

Öffnen Sie ein altes WordStar-Dokument im Editor, und der letzte Buchstabe vieler Wörter wird zu einem Zeichen mit Akzent. Das ist keine Beschädigung. Das offizielle File Format for WordStar Release 7.0, veröffentlicht von WordStar International am 17. März 1992, erklärt die Bytes. Druckbarer Text ist 7-Bit-ASCII. Codes unter 20h und das 8. Bit tragen die Formatierung. Ein harter Absatz endet mit 0Dh, 0Ah. Ein weicher Zeilenumbruch – ein automatischer Umbruch – ist 8Dh, 0Ah. Ein weiches Leerzeichen (A0h) markiert Tabulatoren, Blocksatz und linken Einzug. Vor WordStar 5.0 wurde bei jeder nicht leeren Zeichenfolge innerhalb der Ränder das hohe Bit des letzten Zeichens gesetzt, damit Druckertreiber die Zeile per Mikroausrichtung verteilen konnten. Version 5.0 gab diesen Trick zugunsten absoluter Tabulatoren, Rand-Punktbefehle und Absatzformate auf. Solange Sie die hohen Bits nicht entfernen, liest ein UTF-8-Editor diese letzten Buchstaben als Latin-1-Zeichensalat.

Formatierung steckt außerdem in Punktbefehlen: ein Punkt in Spalte 1 plus zwei Buchstaben in einer eigenen Zeile. .PA beginnt eine neue Seite. .LM und .RM setzen den linken und rechten Rand. Sie belegen Platz auf dem Bildschirm, aber keinen auf der gedruckten Seite. WordStar hatte außerdem einen Dokumentmodus (eingebettete Steuerzeichen) und einen Nichtdokumentmodus (reines ASCII, als Programmiereditor genutzt – ohne Flags im hohen Bit). Laut Library of Congress enthielten Microsoft Word 2003 und ältere Versionen einen WordStar-Konverter. Microsofts Office 2000 Converter Pack führte Wrdstr32.cnv für WordStar 3.x–7.x für MS-DOS und WordStar für Windows 1.0–2.0 auf, nur für den Import. Dieses Paket gibt es im aktuellen Word nicht mehr. Windows Write (.wri) ist ein anderes Microsoft-Format – nicht WordStar.

WordStar vs. WordStar 2000 – zwei Produkte, zwei Formate

WordStar 2000 erschien 1985 mit einem völlig anderen, inkompatiblen Dateiformat (PRONOM der UK National Archives, fmt/882). Der Name bezeichnet keine Ausgabe des klassischen WordStar für das Jahr 2000. Das klassische WordStar kehrte im Februar 1987 als WordStar 4 zurück, nachdem MicroPro NewStar / NewWord übernommen hatte.

Die Strg-Tasten-Raute

WordStar kam 1982 auf MS-DOS und den IBM PC. Der erste Ausgabestand des Nachtrags zu MicroPro WordStar 3.2 ist auf den 15. April 1982 datiert. Der PC hatte bereits Pfeiltasten. WordStar behielt trotzdem die Strg-Tasten-Raute: Strg-E nach oben, Strg-S nach links, Strg-D nach rechts, Strg-X nach unten – die vier Tasten unter der linken Hand auf einer Schreibmaschinentastatur. Wer blind tippte, verließ nie die Grundreihe. In BYTE (Mai 1983) nannte Richard S. Shuford WordStar das bekannteste und wohl meistgenutzte Textverarbeitungsprogramm für Personal Computer, zum Listenpreis von 495 $. Robert J. Sawyer beschrieb diese Raute in *WordStar: A writer's word processor* (Ars Technica, 16. März 2017). Dieselben Strg-Sequenzen verbreiteten sich auch in anderen DOS-Werkzeugen.

Nach der Führungsrolle: ein anderes Produkt, eine andere Firma

Nach WordStar 3.3 im Jahr 1983 gab es bei MicroPro jahrelang kein Update der klassischen Linie, bis zur Rückkehr im Februar 1987. Die Versionen 5, 6 und 7 erweiterten das Dateiformat (Kopfbereiche, symmetrische Sequenzen, Star Exchange). Im Mai 1989 benannte sich MicroPro in WordStar International um. Am 4. Februar 1994 schloss diese Firma einen Dreierzusammenschluss mit SoftKey Software Products und Spinnaker Software ab und wurde zu SoftKey International. Die alten Dateien auf Disketten und in Archiven sind immer noch die Dokumente aus den Jahren 1979 bis in die 1990er, keine moderne Word-Datei mit einer niedlichen Endung.

Warum diese Dateien noch auf Datenträgern liegen

Die Library of Congress verwahrt in ihren Special Collections mehrere Hundert WordStar-Dateien. Schriftsteller blieben dabei. George R. R. Martin schrieb in seinem eigenen Not A Blog, dass er seine Romane auf einem DOS-Rechner mit WordStar 4.0 verfasse – 2007, erneut 2011 („der Duesenberg unter den Textverarbeitungsprogrammen“) und noch im April 2020. Arthur C. Clarke schrieb die Fortsetzung von *2001: Odyssee im Weltraum* aus dem Jahr 1982 auf einem Archives III-Mikrocomputer mit WordStar; Matthew G. Kirschenbaum hält fest, dass Korrekturen in letzter Minute über die Padukka Earth Station und den Intelsat V über dem Indischen Ozean verschickt wurden. Die Library of Congress nennt auch Anne Rice unter den literarischen Nutzern des Formats.

Diese Manuskripte liegen noch auf Disketten, alten Festplatten und in ZIP-Archiven, weil WordStar nie eine verräterische Endung verlangte und weil das aktuelle Word den Datenstrom nicht öffnet.

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